Persönliche IT-Historie

Hier möchte ich, außerhalb meines Profils, über meiner persönlichen Erfahrungen mit Computer berichten. 

Angefangen hat alles Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit einer Erfassungsstation von Taylorix. Die Firma Taylorix bot über regionale Rechnenzentren Buchführung und andere Dienste mittels EDV an. Meine Eltern benutzten für ihr Unternehmen diesen Service und ich lernte so Lochkarten und -streifen (aus Papier) kennen. Es war eine fremde, aber sehr interessante Welt. 

So um 1978 besaßen die ersten Klassenkameraden programmierbare Taschenrechner. Der TI 51 war für mich, der eine nicht programmierbaren Taschenrechner von HP benutzte, nicht so interessant, aber die HP-67 und HP-33E hatten schon etwas. Im Gegenzug dafür, dass ich einem Klassenkameraden zeigte, die das mit dem Programmieren geht, konnte ich seinen Taschenrechner ausprobieren. 

1980 war dann für mich der "große" Tag, ich hatte das Geld für einen HP-41C beisammen. Ich programmierte, was zu programmieren war, u.a. eine Kurvendiskussion mit Nullstellenbestimmung. 

1982 gab es in der Schule Informatik-Unterricht, an einem MP/M Rechner (die Mehrbenutzer-Variante von CP/M) mit vier Bildschirm-Terminales und einem Fernschreiber, 48kb RAM, zwei 8-Zoll Diskettenlaufwerken. Etwa zu dieser Zeit kaufte ich dann einen Homecomputer, der auch für ernsthafte Anwendungen genutzt wurde, aber die Erfüllung war es noch nicht. 

1984 führte ich dann im elterlichen Betrieb ein IT-Budget ein, dass ich für einen Computer mit den Aufgaben Rechnungswesen, Auftragsverwaltung und Warenwirtschaft nutzen sollte. Trotz der sicher gut gemeinten Ratschläge, einen der leistungsfähigen CP/M Rechner zu kaufen, setzte ich auf MS-DOS. Bei der Wahl zwischen einem IBM PC (8088 4,77 MHz) und einer Olivetti M24 (8086 8MHz) zu vergleichbaren Kosten entschied ich mich für Olivetti. 

Ich hatte FiBu und die anderen Programme schnell eingerichtet und Taylorix verlor einen Kunden. Die Zahlen waren tagesaktuell, Fehler in der FiBu fielen sofort und nicht erst bei den Monatssalden auf, nur der Steuerberater war nicht gerade begeistert, er hätte gerne gesehen, dass wir die DATEV-Lösung einsetzen. 

Der Leistungsumfang der FiBu war gut, aber die Auftragsverwaltung / Warenwirtschaft war, wie alle auf dem PC verfügbaren Systeme, auf die Bedürfnisse eines Großhändlers zugeschnitten, einige Dinge, die in einem Industriebetrieb notwendig sind, fehlten. Eine für einen Industriebetrieb passende Lösung bot Nixdorf mit Comet-Top an, wie ich im Vorfeld festgestellt hatte, nur passten Preis und Zukunftssicherheit nicht.

Mit Multiplan, dBase III plus und GWBasic bildete ich die fehlenden Funktionen nach.

Im Studium bot sich die Möglichkeit, an einem Großrechner zu arbeiten. Zuerst mit den mir schon bekannten Lochkarten, dann per Terminal. Ich lernte so Cobol und Fortran kennen. Daneben suchte ich auf dem PC die Möglichkeiten auszuschöpfen. In Summe beschäftige ich mich mit Lisp, Forth, Smalltalk, Prolog, Assembler, C, Obj-C, C++, Pascal, Modula-II, Oberon und einigen anderen Sprachen. 

Die Beschäftigung mit den verschiedenen Sprachen hat mich geprägt. 

  • Bei Lisp lernte ich, mit einfachen Programmstrukturen komplexe Datenstrukturen (Listen) zu bearbeiten. 
  • Smalltalk war die Einführung in die Objektorientierte Welt.
  • Prolog diente als Einstieg in die KI-Systeme, die heute kaum jemand noch kennt.
  • Die Sprachen von Prof. Wirth, insbesondere Modula-II, prägten meine Vorliebe für strukturierte Sprachen.
  • C, Obj-C und C++ zeigten mir die verschiedenen Möglichkeiten, eine OO-Sprache aus einer prozeduralen Sprache zu entwickeln

 

Daneben beschäftigte ich mich noch mit verschiedenen Anwendungen auf dem PC. Unter Windows 1.02 lief das erste Hypertext-System, es gab ein Tools Reflex, das Kreuztabellen berechnete, die ich für Auswertungen, heute würde man sagen OLAP, nutzte, die Windows-Programmierung war interessant, es gab eine "SAA-Toolbox", die im C-Sourcecode zeigte, wie man ein Fenstersystem mit Maussteuerung aufbaut, ...

Aber keine Beschäftigung mit Technik ohne wirtschaftlichen Nutzen! Ich bin viel zu stark "Buchhalter" und vor allem "Kostenrechner", hiermit verdiente ich mir ja meinen Lebensunterhalt. Ich war auf der Suche nach der "Zukunft". Dass die Zeit von Basic plus Assembler, die die PC-Welt zu Anfang geprägt hatte, bald vorbei sein wird, war mir klar. Die Zukunft Basic plus C unter Windows hatte aber noch nicht begonnen, Microsoft ließ sich viel Zeit. Trotzdem entwickelte ich in dieser Zeit sehr viel. 

  • Für den elterlichen Betrieb verbesserte ich die IT-Strukturen,
  • für einen damals bundesweit bekannten Computerclub stellte ich die Programme zur Verwaltung neu auf,
  • ich gab Schulungen,
  • die ersten Programmier-Aufträge gegen Cash kamen,
  • ich war bei Siemens als Werkstudent tätig.

 

Jetzt beginnt auch die Zeit, über die ich in meinem Profil berichte. Ich kannte den Großrechner mit seinen Stärken und Schwächen, insbesondere den Kosten. Ich hoffte auf die Client/Server Welt, auch wenn ich dort die Probleme mit verteilten Transaktionen, Software-Verteilung etc. sah. Ich hoffte auf die SAA Welt von IBM, hatte aber meine Zweifel. Und ich verdiente meinen Lebensunterhalt immer stärker mit IT-Beratung. 

Als ich feststellte, dass die Client/Server Anwendungen primär aus Fat-Clients und gemeinsam genutzten Datenbanken oder nur ISAM-Verwaltungen auf den Servern bestanden, suchte ich ein anderes Betätigungsfeld. Ich nutzte mein Wissen in der PC- und der Großrechner-Welt, um mobile Anwendungen für den Außendienst größeren Unternehmen aus der Nahrungs- und Genussmittelbranche anzubieten, auf Grund meiner Kontakte fand ich auch schnell Vertriebspartner. Ich habe, wie aus meinem Profil zu ersehen ist, einige sehr erfolgreiche mobile CRM-Projekte durchgeführt. 

Leider entwickelte sich der CRM-Markt, nach vier sehr erfolgreichen Jahren für mich, zu einem Markt von besseren Adressverwaltungen. Diese Lösungen, welche die Anforderungen der Vertriebsmitarbeiter im Bereich der erklärungsbedürftigen technischen Produkte, wenigen Ansprechpartnern und kaum strukturierten Informationen, erfüllen, konnten natürlich weit billiger angeboten werden wie eine komplexe Anbindung des Außendienstes via Replikation, bei der der Außendienstmitarbeiter beim wöchentlichen Kundengespräch die gleichen Daten, die auch der Innendienst über sein Terminal auswerten kann, zur Verfügung hatte. 

Zu dieser Zeit kam JAVA auf, zuerst für die Applets, aber ich sah die Applications, die auf dem Client liefen, und die auf die gleichen Lademodule zugreifen konnten wie die Gegenstücke auf dem Server. Hier erkannte ich meine Chance und arbeitete mich ein. Wer C++, Smalltalk und den Großrechner kennt, für den ist JAVA im Rahmen einer richtig aufgebauten Client/Server Lösung nicht nur ein logischer, sondern auch ein kleiner Schritt. 

Leider war 1997 JAVA noch weit entfernt von den Marketing-Versprechen, wie man auch an den in den letzten Jahren gescheiterten JAVA Projekten erkennen kann. Client/Server in der Ausprägung Thin-Client zum lokalen Präsentieren, Editieren und Vorvalidieren sowie einem Server, der die Daten validiert, Transaktionen steuert und auch über die gleichen Fach- und Zugriffsmodule den Batch-Betrieb sicher stellen kann, wird erst jetzt möglich. 

Meine Kunden sollen mit mir Geld verdienen, ich brauche keine technische Spielwiese. Die Technik ist immer das Mittel zum Zweck der Lösung einer betriebswirtschaftlichen Aufgabenstellung. Und bei betriebswirtschaftlichen Aufgabenstellungen geht es immer um eine der beiden Dinge, Einnahmen vergrößern oder Ausgaben verkleinern.

Deshalb war und ist der Großrechner meine Welt. Anwendungen, die vor 20 oder mehr Jahren entwickelt wurden, mit den damals üblichen Methoden, mögen nicht mehr "State-of-the-Art" sein, aber sie haben ihre Entwicklungskosten verdient und sollen es noch weiter tun. 

Ich hoffe, mein Wissen und Können für sanfte Migration von den bisherigen Prozeduralen hin zu den Objekt Orientierten Entwicklungssystem einsetzen zu können. Hierbei kommt es nicht nur auf das Wissen über die neue Technik an. Die bisherige Technik muss auch verstanden sein, um hieraus die Anforderungen an die neue Technik gewinnen zu können. Noch wichtiger ist die Fähigkeit, die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge aus der bisherigen Technik zu erkennen, denn vielfach ist sie nur dort dokumentiert. Die (Fachbereichs-) Mitarbeiter, die ihr Wissen in die Software einbrachten, befinden sich, genauso wie ihre Nachfolger, die mit ihren Erfahrungen die Arbeitsweise der Software verbesserten, vielfach im verdienten Ruhestand. Das geballte Know-How, das in der bisherigen Software steckt, muss im Dialog mit den heutigen Mitarbeitern des Fachbereiches ermittelt werden und dann den primär technisch ausgerichteten Projektteams im Java und C++ Umfeld in der ihnen verständlichen Sprache übermittelt werden.